Die Historie der BSG Stahl Riesa

Zeitstrahl Historie - transparent

„Die BSG war ein Kollektiv. Die Spieler wussten, dass sie gegen andere Mannschaften Nachteile hatten, aber wir haben zusammengehalten und dadurch konnten wir viel erreichen.“ (Hauptmann, 2020)

Die Geschichte der BSG Stahl Riesa ist, wie bereits im vorherigen Kapitel erwähnt, durch zahlreiche Auflösungen, Fusionen und Neugründungen sehr komplex. An eine erfolgreiche Zeit in DDR folgte eine komplett konträr verlaufende Entwicklung. Dieses Kapitel konzentriert sich auf die wichtigsten Meilensteine des Vereins und versucht einen genauen Einblick in die Historie zu geben. Um die Komplexität der Historie etwas aufzulockern, wird die Geschichte am Ende des Kapitels durch einen Zeitstrahl dargestellt.

Den Ursprung der BSG Stahl Riesa stellt der 28. März 1903 dar: An diesem Tag schlossen sich die Mitglieder des Vorreiters GV Lätitia Riesa zusammen und gründeten den Verein FC Riesa. Die Vereinsfarben Blau-Weiß haben sich bis heute nicht geändert. Nach einer Umbenennung in den Riesaer SC am 21. Januar 1906, wurde der Verein im darauffolgenden Jahr aufgelöst und nach einem Jahr gänzlich ohne Fußball als VfB Riesa am 01.01.1908 neugegründet – wobei dieser noch im selben Jahr zum Riesaer SV wurde. Wie auch seine Vorgänger, trug der RSV seine Heimspiele auf der Spielstätte des Sportplatzes Göhlis aus, welche bis heute Austragungsort der Heimspiele für den Jugend als auch Herrenbereich der BSG Stahl Riesa ist. 1909 trennte sich dann ein Teil des RSV und gründete den Fußballclub Wettin, welcher sich 8 Jahre später dem RSV anschloss. Bis Ende der Zwanziger konnte der Riesaer SV insgesamt zehn Mal seine jeweilige Staffel gewinnen, nachdem in der Saison 1909/1910 der Spielbetrieb aufgenommen wurde. Mit dem deutschen Sturmspieler Willi Arlt, der zu dieser Zeit als Ausnahmetalent galt, stellte der RSV den ersten Riesaer Nationalspieler und schaffte zusammen mit ihm im Stadion am Bürgergarten, welches auch besser bekannt ist als Ernst-Grube-Stadion, den Aufstieg in die höchste Liga: die Gauliga Sachsen. Mit dem ersten Weltkrieg und der implizierten Einstellung des Spielbetriebs endet dann die Geschichte des RSV und schließlich mit dem kompletten Verbot des Vereins 1945. Stahl Riesa wurde dann am 1. September 1948 als BSG Stahlwerk Riesa neu gegründet. Zwei Jahre später nahm der Verein dann den Namen an, den er heute noch trägt, mit der bekannt wurde: BSG Stahl Riesa. Zwischen 1968 und 1988 spielte die Mannschaft aus Riesa insgesamt sechzehn Spielzeiten in der DDR-Oberliga, der höchsten Spielklasse der DDR. Die Saison 1974/75 geht wahrscheinlich als die bekannteste und beste Saison in die Geschichte des Vereins ein, als man den sechsten Platz erreichte und damit nur knapp die Qualifikation für den UEFA-Cup verpasste. Furiose Siege wie gegen den 1. FC Magdeburg am 9. November 1974 - Teilnehmer im Europapokal der Landesmeister - als man vor 10.000 Zuschauern im ehrwürdigen Stadion der Stahlwerker, dem Ernst-Grube-Stadion, die Magdeburger mit 3:1 besiegte, sorgten dafür, dass sich die BSG Stahl Riesa einen großen Namen in der Fußballgeschichte der DDR machte – einen Namen, der bis heute vielen Menschen in Ostdeutschland ein Begriff ist (dfb.de, 2020, S.1). „Ich erinnere mich noch ganz genau. Der Europapokalsieger 1. FC Magdeburg kam nach 10 ungeschlagenen Spieltagen nach Riesa, die Rollen waren klar verteilt. Dennoch sind wir positiv in das Spiel gegangen und mussten uns nicht verstecken, aber an unsere Leistungsgrenze gehen. Das Ende ist bekannt, wir besiegten Magdeburg mit 3:1, weil wir eine eingeschweißte Truppe waren und an uns geglaubt haben.“ (Hauptmann, 2020) Nach der Wende kam es dann erneut zu einigen Umbenennungen und Fusionen. Zuerst wurde der Verein am 7. September 1990 zum SV Stahl Riesa e.V., woraus der FC Stahl Riesa e.V. hervorging. 8 Jahre später entstand aus dem Riesaer SV Blau-Weiß und dem SC Riesa-Röderau der FC Stahl Riesa 98, welcher im Jahr 2000, unter anderem mit André Scholz, den Aufstieg in die NOFV-Oberliga Süd schaffte.

Aufgrund fehlender sportlicher Erfolge und jahrelanger Misswirtschaft erlebte der Verein 2003 seine grauste Stunde: Anfang 2003 eröffnete der Verein ein Insolvenzverfahren, welches schlussendlich zur Auflösung des Vereins führte – die übrigen Mannschaften übernahm der SC Riesa. Im gleichen Jahr, am 31. März, wurde der TSV Stahl Riesa neu gegründet. Nach etlichen Aufstiegen und dem deutschen Rekord für die längste Serie ohne Pflichtspielniederlage (78), befand sich der Verein auf einem sportlich guten Weg. Nach einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im März 2012 trug der Verein den alten neuen Namen Ballsportgemeinschaft Stahl Riesa, kurz BSG Stahl Riesa. „Im Interesse der Stärkung des Fußballs in der Region“ löste der SC Riesa seine Fußballabteilung auf, welche sich vollständig der BSG anschloss. Ab diesem Tag war der Riesaer Fußball wieder vereint. „Wille, Kampf, Einsatzbereitschaft – das ist das, was die BSG schon immer ausgemacht hat und immer ausmachen wird.“ (Scholz, 2020)

 

 

Alexander Pöhler